Zeitfenster – Archäologische Entdeckungen

 

 

Aus Anlass des 2000-jährigen Jubiläums im Jahr 2012 der wohl ältesten römischen Siedlung in Bayern, die im Landkreis Weilheim-Schongau auf dem Auerberg liegt, blicken wir durch das „Zeitfenster“ zurück. In Zusammenarbeit von Bund Naturschutz, dem Auerbergmuseum Bernbeuren und der IG Auerberg finden seitdem alljährlich die “Keltenwerkstatt“ als Familienferienprogramm in Bernbeuren statt. Schwerpunkte liegen beim Thema Ernährung, mit Lehmbackofenbau und einem Grubenbrand für Trink- und Essgefäße. Ein weiteres Thema ist die Kleidung, mit Wolle färben und mit der Handspindel verspinnen sowie der Verarbeitung am Gewichtswebstuhl und beim Brettchenweben. Aus Weilheim, Schongau, Peiting, Schwabsoien, Burggen, Lechbruck, Stötten und Trauchgau nehmen Kinder und Familien teil, um in der Freiluftwerkstatt der Archäologin Karin Sieber-Seitz gemeinsam keltisches Handwerk kennen zu lernen.

 

Töpfern

 

Keltenbecher


Was bei dieser Beschäftigung mit ungenormten Naturmaterialen (Getreidekörner, Schafwolle, Weidenruten, selbst gesammelte Kräuter, Lehm, Stroh, usw.) „für uns mediengeprägte Menschen von heute von besonderem Reiz“ so Karin Sieber-Seitz, herausgekommen ist, wurde beim Abschlussfest am Freitag der ersten wie auch der zweiten Woche mit Stolz präsentiert: zu den Brötchen aus dem selbst hergestellten Lehmbackofen gab es Keltenwürstchen am offenen Feuer, die nach Rezept der Archäologin extra von der Metzgerei Ungelert aus Lechbruck hergestellt wurden. Sie enthalten keine Gewürze wie z.B. Pfeffer und Paprika, die erst mit den Römern bzw. nach der Entdeckung Amerikas bei uns bekannt wurden.

 

Mehl mahlen

 

Lehmbackofen mit Brötchen


Das Mehl wurde von Kinderhänden auf der Schiebemühle gemahlen. Ganz nach keltischer Handwerkskunst hatten die Teilnehmer Bänder in Brettchenwebtechnik und ein Tuch am Gewichtswebstuhl hergestellt. Dieser war aus geschälten Stämmen und Ästen, die Sieber-Seitz direkt aus dem Wald geholt hatte, hergestellt. Die Zweige für die Handspindeln hatten die Teilnehmer selbst hergestellt und aus der rohen Wolle Fäden gelernt zu spinnen. Sogar in grün, gelb und rot – gefärbt mit Schilfblüten, Birkenblättern und Krapp, einem Labkraut aus dem Mittelmeerraum.

 

Handspindel drehen


„Das Brettchenweben hat mir am besten gefallen“, antwortete nicht nur Filomena bei der Fragerunde mit allen Teilnehmern, Johannes: „die Kräuterwanderung in die Feuersteinschlucht“, Marius: “das Schnitzen“. Was ihnen gefehlt hat? „Tomatensoße“ war Julius‘ Antwort. Denn Tomaten gab es ja noch nicht zur Zeit der Kelten. Auch Kartoffeln, Kaffee und Zucker gab es nicht, viele Gewürze wie Pfeffer oder Koriander haben erst die Römer aus dem Süden mitgebracht – so war die Zusammensetzung des täglichen gemeinsamen Mittagessens für viele ungewohnt.


Um sich die Zeitabstände besser vorstellen zu können, hatten sie sich entlang eines Zeitstrahls aufgestellt – von Heute mit einem Schrittchen in die Zeit der Kindheit der Oma, fünf Schritten bis Kolumbus‘ Entdeckung von Amerika, noch 15 Schritten bis Christi Geburt und nochmals fünf bis zu den frühen Kelten.


Warum eine Keltenwerkstatt? Weil es die Zeit der Kelten war, als hier im Jahr 12 nach Christus die Römer auf dem Auerberg ankamen. Durch die Römer hat sich die bis dahin keltisch-bäuerliche Landwirtschaft, das Handwerk und die gesamte Landnutzung stark geändert. Ziel war es, den Spaß an dieser einfachen Lebensweise zu entdecken. Und wirklich war in der Fragerunde das Leben unter freiem Himmel, den ganzen Tag an der Luft zu sein, als besonders positiv genannt worden. Es galt, jedem Produkt aus der Natur und jedem selbst hergestellten Produkt eine höhere Wertschätzung als bisher entgegen zu bringen. Die Teilnehmer erkannten, welche Möglichkeiten sie selbst hatten, mit weniger „Verbrauch“ gut und angenehm zu leben.


Eine Zusammenstellung der „Keltenwerkstatt“ soll als Dokumentation in den „Kleinen Schriften des Auerbergmuseums Bernbeuren“ veröffentlicht werden. Es ist geplant, nach der nur kurzen Ausstellungszeit im Auerbergmuseum Bernbeuren bis zum Sonntag, den 4. September, die entstandenen Produkte aus der Keltenwerkstatt noch einmal für einen längeren Zeitraum im Jahr 2012 auszustellen.

 

Gewichtswebstuhl aufbauen

 

Ausstellung im Auerbergmuseum


Die Keltenwürstchen der Metzgerei Ungelert, die auch eine Filiale in Bernbeuren führt, waren von den Teilnehmern wie den Besuchern der Abschlussfeste als so ausgezeichnet empfunden worden, dass sie ab sofort auch im freien Verkauf angeboten werden, als „Keltenbratwürste“.

 

Das Projekt wurde gefördert vom Bayerischen Umweltministerium zur Förderung der Umweltbildung. Eine Zusammenstellung der "Keltenwerkstatt" ist als Dokumentation in den "Kleinen Schriften des Auerbergmuseums Bernbeuren" veröffentlicht.