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nächstes Aktiven-Treffen

Das nächste Treffen der Ortsgruppe Penzberg findet am 19.4. um 19:00 im Bürgerbahnhof statt.

Offener Brief der Ortsgruppe

Offener Brief

an den Bürgermeister und Stadtrat Penzbergs

26.2.2024

Penzberg – quo vadis?

Gedanken zum Tage:
Was haben die Landesgartenschau, die Erweiterung des Industrieparks
Nonnenwald und die Standortpläne für das BRK miteinander zu tun?

Zunächst gibt es auch für den Bund Naturschutz keinen Zweifel, dass ein neuer Standort
für das BRK
notwendig ist. Aber dafür 3 Hektar innerstädtischen Mischwald zu vernichten, eine wichtige Biotopverbindung zwischen dem „grünen Herz“ Penzbergs, dem Müllerholz, und den östlichen Wäldern bis hinunter zur Loisach, ist in einer Zeit der Klimaerhitzung, der zunehmenden Innenverdichtung und der daraus folgenden Dringlichkeit der Biotopvernetzung keine verantwortbare Alternative zu anderen angedachten Standorten. Dass der Stadt zudem auch die Ausgleichsflächen für den waldrechtlichen Ausgleich fehlen, darüber wurde vor kurzem berichtet.

Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK), zu lesen auf der Homepage der Stadt, heißt es zur Entwicklung der Grünstruktur so schön: „Zur Vernetzung der Stadtteile und zur Verbindung mit der Landschaft werden attraktive Grünverbindungen gesichert und neu geschaffen.“ Und: „Im Müllerholz laufen die aus der Landschaft in das Stadtgefüge mündenden Grünkorridore zusammen.“ Alles nur Sonntagsreden?

Sorgen macht sich der Bund Naturschutz auch wegen der weiteren Zerstörung von Hoch-und Niedermoor sowie stadtnahen Waldflächen für weitere Gewerbeflächen im Industriepark Nonnenwald. Dass Moore wichtige CO2- und Wasserspeicher sind, hat sich offenbar noch nicht ausreichend herumgesprochen. Penzberg hat sich einen „Aktionsplan Klimaschutz“ gegeben und kommt dabei nicht recht voran. Billiger als ein natürlicher Klimaschutz durch den Schutz von Mooren kann Klimaschutz nicht sein. Wobei die Stadt doch wenige hundert Meter westlich des Industrieparks in die Renaturierung des Kirnberg-Moors investiert. Widersprüche über Widersprüche. Und nicht zu vergessen: Erst kürzlich wurden 13,5 Hektar Wald für die Roche-Erweiterung geopfert.
Besonders irritierend wäre auch, wenn die Stadt die einzelnen Parzellen schon an Firmen vergeben hätte: „So habe es der Freistaat gewollt“ sagte Korpan. (Penzberger Merkur vom 18.1.24). Damit würde das rechtlich notwendige Bauleitverfahren zur Farce, die viel beschworene Planungshoheit der Gemeinden auf Druck von oben unterlaufen.

Hier rächt sich, dass sich Penzberg nie einen zukunftsfähigen, realistischen Masterplan gegeben hat und danach rechtzeitig Grundstücke reserviert bzw. gekauft hat, die sie jetzt für das BRK oder für das heimische Gewerbe nützen könnte. Sprunghafte Vorschläge und vage Andeutungen aus dem Stadtbauamt wie die „Gedankenspiele um ein Rettungszentrum 2.0“ (Penzberger Merkur, 22.2.24), mit denen sich der Stadtrat urplötzlich konfrontiert sieht, sind die Folge. Dass dabei oft der Schaden für Natur und Klima und damit die Lebensqualität der Bürger überhaupt nicht einberechnet wird, beunruhigt zutiefst.

Diese Tatsachen dämpfen auch die Euphorie für die geplante Landesgartenschau 2028. Im Eingangsstatement des Bürgermeisters zur Broschüre „Penzberg auf dem Weg zur Landesgartenschau 2028“ heißt es: „bei uns rückt … vor allem die Sicherung der Landschaft in den Fokus: Moor- und Feuchtlebensräume sollen geschützt, Waldflächen erhalten … werden.“ Was kann man aber darauf geben, wenn gerade das Gegenteil passiert? Besteht die Gefahr, dass Natur und urbane Wildnis gerade durch ihre Inszenierung für ein großes Publikum massiv gestört, ja zerstört wird? In Form von Versiegelung von Flächen und Wegen, von Beton und Steinquadern zu den Ufern des Säubachs, von modischen Rondellen in geschützten Biotopen, einem Bohlenweg im Gleisdreieck und einem 40 Meter hohen Turm mit der notwendigen Gründung auf weichem Untergrund? Geht es vor allem um die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts, um die Belebung des Investitionsklimas in einer Stadt, die inzwischen an ihre natürlichen Grenzen stößt?

Ob die Stadt die finanzielle Belastung stemmen kann, ohne ihre Pflichtaufgaben sträflich zu vernachlässigen und ohne wichtige stadteigene Grundstücke zu verpfänden, muss der Stadtrat in Kürze entscheiden. Neben den Kosten für die Baumaßnahmen und die Durchführung ist bisher noch gar nicht von den zukünftigen Kosten für Erhalt und Pflege der neuen Grünflächen, des Holzturms, der Bohlenwege etc. die Rede.

Wir appellieren an Ihre Verantwortung, sehr geehrter Herr Bürgermeister Korpan, sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats, die oben angeführten Aspekte in Ihre Entscheidungen einzubeziehen zum Wohle der Bürger der Stadt Penzberg und der zukünftigen Generationen der Stadt.

Hannelore Jaresch

1.Vorsitzende des Bund Naturschutz – Ortsgruppe Penzberg

Vorschau auf einige Aktivitäten im Jahr 2024

  • Amphibien-Aktion am Kaltwasserweiher ab Anfang März 24: Interessierte sind herzlich willkommen!
  • Vogelstimmen-Wanderung am 7. April 24 8:00, Treffpunkt ist die Kapelle auf Gut Hub
  • Beitrag zum "Klimafrühling Oberland" am So, 5. Mai 24: "Vom Kohleausstieg in Penzberg.  Wie sieht die Bergbaulandschaft heute aus?" Eine naturkundliche Wanderung in Kooperation mit der Biodiversitätsberaterin der Unteren Naturschutzbehörde Weilheim-Schongau Irmingard Kemmer
  • Mitarbeit im Klima- und im Mobilitätsbeirat