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UNSERE AMPHIBIENSCHUTZ-AKTIONEN AM STOCKWEIHER IN PENZBERG UND AM KALTWASSERWEIHER ZWISCHEN HABACH UND MURNAU

Wir waren auch in diesem Jahr von Anfang März bis Mitte April morgens und abends im Einsatz, um möglichst viele Tiere vor dem Verkehrstod zu retten. 
Die häufigste Art an beiden Weihern ist die Erdkröte. Am Kaltwasserweiher kommt auch der Grasfrosch vor, einige Berg- und Teichmolche, äußerst selten finden wir einen Kammmolch und ab April bisweilen Laub- und Teichfrösche.
Die Zahl der Amphibien geht leider stark zurück. Ursachen sind der Klimawandel mit Trockenheit im Frühjahr und Sommer, damit der Rückgang der Feuchtlebensräume und die Austrocknung der Kleingewässer, aber auch die großflächige Entwässerung für Landwirtschaft und Siedlungen, die hohe Verkehrsdichte, die Ausbreitung von Siedlungen, Gewerbe und Straßenbau, damit Lebensraumverluste und Zerschneidung von Winter- und Sommerlebensraum sowie Wanderwegen und die intensive Landwirtschaft mit hohem Einsatz von Dünger und Pestiziden.
Deshalb versuchen unsere Aktiven zu retten, was zu retten ist.

Am Stockweiher in Penzberg - zum letzten Mal
Unsere diesjährige Sammelaktion hat leider den dramatischen Rückgang der Amphibien in den letzten Jahren bestätigt. Die Aktiven fanden von Mitte März bis Mitte April bei der Kontrolle der im Boden versenkten Eimer lediglich 49 Erdkröten. 2018 waren es noch 309 Tiere, 2005 dagegen 1.142 Tiere, vorwiegend Erdkröten, gefolgt von Grasfröschen, Laubfröschen und Molchen. 
Die Helfer geben nun schweren Herzens auf. Ein weiterer arbeits- und zeitintensiver Auf- und Abbau des Zauns und die Kontrolle der Eimer morgens und nachts an der Nonnenwaldstraße über mindestens 4 Wochen hinweg erscheint bei der geringen Zahl der Tiere nicht mehr verhältnismäßig. 
Damit  geht eine 30jährige Ära zu Ende: Begonnen hatten die Amphibienaktionen am Stocksee 1993 dank der Initiative des Lehrers Uli Rau, der jedes Frühjahr mit Schülern der Bürgermeister-Brandl-Schule den Kröten und Fröschen über die Straße half. 2013 übernahmen Helfer des Bund Naturschutz. Zunächst organisierte Hans Knetsch den Einsatz, zuletzt Karl-Heinz Brem. Engagierte Bürger beteiligten sich abends oder morgens auf dem Weg zu ihrer Arbeit. Bauhofmitarbeiter brachten das Zaunmaterial und lagerten es bis zum nächsten Frühjahr ein. 
Während die Abnahme der Kröten- und Froschpopulation am Riederer Weiher auf die immer intensivere Landwirtschaft zurückzuführen ist, sind es am Stocksee – wie der Weiher auch genannt wird - andere Ursachen: die Dezimierung des Waldes und die Bebauung, wodurch die Tiere ihren Landlebensraum verlieren. Dazu kommt die Zunahme des Verkehrs auch abends und in den Morgenstunden.  
Das letzte größere Amphibienvorkommen in Penzberg erlischt damit. Eine Massenwanderung von Kröten und Fröschen im Frühjahr und Sommer werden Kinder in Penzberg nicht mehr erleben. 
Sollten sich jedoch Freiwillige finden, die der Restpopulation von Erdkröten weiterhin über die Straße helfen wollen, können sie sich bei der Ortsgruppe des Bund Naturschutz melden.

Am Kaltwasserweiher zwischen Habach und Murnau 
Entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend konnten unsere Aktiven im Frühjahr 2023 insgesamt rund 3 500 Tiere über die Straße und wenige Wochen später wieder zurück in den Wald bringen. Das ist nochmals eine deutliche Seigerung der Tierzahlen. Offenbar stimmt hier das Umfeld: keine Gülle auf den Wiesen während der Wanderung, kein extrem hoher Fischbesatz in den Weihern, die Biberfamilie, die weitere Tümpel zur Verfügung stellt, ausreichend Wald als Rückzugs- und Überwinterungsraum. Wir sind gespannt auf die nächsten Jahre.