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Wie kann der klimaangepasste Waldumbau gelingen?

Waldbegehung in Birkland: Wir haben uns im Wald bei Birkland ein Bild von den Chancen der Naturverjüngung und den Schäden durch Wildverbiss gemacht.

10.09.2026

Der Waldbesitzer Josef Schilcher hatte zu einem Ortstermin im Wald geladen. Vertreter*innen unserer BUND Naturschutz-Kreisgruppe trafen sich deshalb mit mehreren Waldbesitzern, einem Mitglied des Jagdbeirats und dem Jagdvorsteher im Wald bei Birkland.

Der diesjährige Hitzesommer hat gezeigt, die Klimakrise ist da: Die bislang in den Wäldern des Landkreises dominierende Fichte wird durch hohe Temperaturen, Trockenheit, Windbruch und ihre Anfälligkeit für den Borkenkäfer zunehmend geschädigt. Ein zügiger Waldumbau ist notwendig, denn trockene Wälder sind nicht zuletzt ein Waldbrandrisiko. Ein klimaangepasster Forst besteht aus vielfältigen, heimischen und hitzetoleranten Baumarten.

Wildverbiss verhindert natürliche Verjüngung

Josef Schilcher und zwei weitere Grundeigentümer setzen deshalb seit vielen Jahren vor allem auf die Naturverjüngung von Tannen. Wenige 200-jährige Altbäume haben in dem Gebiet gereicht, um unter den vorherrschenden Fichten unzählige Jungtannen aufgehen zu lassen. Das kühle, feuchte Waldklima bleibt erhalten, der Boden intakt. Als Tiefwurzler können Tannen besser mit Trockenstress umgehen als die flachwurzelnde Fichte und liefern ebenfalls gutes Bau- und Möbelholz. Einziges Manko: Junge Tannen genauso wie junge Laubbäume schmecken den Rehen besser als die stacheligen, harzigen Fichten, die auch noch weniger Nährstoffe enthalten.

Schilcher, der seinen Wald bodenschonend mit einem Rückepferd bewirtschaftet, zeigte den Gästen die Verbissspuren an den Leittrieben der Tannen, aber auch an Hasel, Eberesche, Buche, Ahorn und Eibe. Der Jagdvorsteher versprach, mit dem zuständigen Jäger zu sprechen und die Abschussquote anzupassen. Meinhard Süß, ehemaliger Forstamtsleiter in Oberammergau, schilderte das Dilemma: Ernteschäden durch Wildsauen amMais sind innerhalb eines Jahres messbar und müssen durch die Jagdgenossenschaft entschädigt werden - Schäden am Wald durch Rehwild erst nach Jahrzehnten, für die Waldbesitzer ist es schwierig ihre Schäden geltend zu machen. Verschärft wurde die Situation durch Minister Aiwangers Novellierung des Jagdgesetzes im Frühjahr 2026: Nun sind die Abschussquoten nicht mehr zwingend an den Verbiss gekoppelt.

Klimaangepasster Mischwald für Mensch und Natur

Michael Lang, vom Jagdbeirat am Landratsamt Weilheim-Schongau, betonte, dass der Erhalt der Wälder in der Klimakrise ein herausragendes öffentliches Interesse ist, denn die Trinkwasser-Neubildung findet überwiegend in den Waldgebieten statt. 

Auch Markus Keller, Mitglied unsere Vorstands, wies auf die ökologische Bedeutung der Wälder hin. „Ein Umbau von Fichtenplantagen zu artenreichen Mischwäldern mit hohem Totholzanteil ist eine Chance für Mensch und Artenvielfalt. Klimaresilienz, Wasserspeicherung und Hochwasserschutz kommen uns allen zugute.“ 

Lang erläuterte, wie der Waldumbau gelingen kann: Naturverjüngung von klimaangepassten Altbäumen und die Verbreitung von Samen durch Vögel erneuern den Wald kostenlos. Dabei ist ein konstruktives Zusammenwirken von Waldbesitzern und Jagdvertretern vonnöten. Die alternative Aufforstung durch Pflanzung und der Schutz vor Wildverbiss durch Zäune wären in der Fläche weder durchführ- noch bezahlbar. 

Für uns bot sich an dem Nachmittag ein Einblick in das Spannungsfeld aus Waldbewirtschaftung und Jagd. Und es wurde auch klar: Der Wald steht unter großem Stress. Um ihn zu bewahren, braucht es auch politischen Willen, konsequenten Klimaschutz und einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Holz.