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Umweltbildung/Bildung für nachhaltige Entwicklung

Spaziergang zu den Weiserzäunen

Ein weiterer “Spaziergang” unserer Exkursionsreihe führte uns gemeinsam mit dem Förster Meinhard Süß auf ein Waldgrundstück des BUND Naturschutz. Vor knapp zwei Jahren haben wir hier “Weiserzäune” aufgestellt: Kleine, wilddicht eingezäunten Bereiche im Wald, mit denen man die Auswirkung des Wildverbisses auf die Waldverjüngung beurteilen kann. Alle Planzen innerhalb der Zäune haben sich selbst ausgesamt. Wenn außerhalb des Zaunes vergleichbare Jungbäume fehlen, wurden diese vom Wild verbissen.

An diesem schönen Herbstnachmittag erfuhren wir, was einen “artenreichen Buchenwald” auszeichnet: Eine große Vielfalt, entstanden durch den Zufall. In diesem kleinen Waldstück gibt es allein 11 Laub- und 5 Nadelbaumarten. Idealerweise sollten diese in allen Größen und Altersstufen vorkommen. Wenn große Bäume ausfallen, beispielsweise durch den Borkenkäfer oder das Eschentriebsterben, nutzen andere ihre Chance und können in den aufgelichteten Bereichen heranwachsen. Ein Kreislauf aus Werden und Vergehen. Auch das Totholz ist wichtig, es ist die Nahrungsgrundlage für Käfer, Pilze und Spechte und speichert Wasser und CO2 im Wald.

Ein solcher, resilienter Mischwald ist besonders widerstandsfähig gegen die Klimaerwärmung, während Fichtenmonokulturen in einem heißeren und trockeneren Klima nicht bestehen können. In Thüringen und im Harz kann man das Fichtensterben bereits beobachten: Wo kein artenreicher Unterwuchs vorhanden war, ist eine Grassteppe entstanden.

Erste Ergebnisse konnten wir an den Weiserzäunen bereits erkennen: Hier wachsen unverbissene Sämlinge heran, während Tannen außerhalb nur mit einem schützenden Drahtgitter eine Chance haben. Auch andere Arten weisen Verbissspuren auf. Und wieviel Wild kann der Wald denn nun vertragen? Darauf hat Meinhard Süß eine einfache Antwort: Wenn alle 16 Baumarten in allen Altersstufen heranwachsen können, dann ist es ein intakter Naturwald.