Antworten der Bürgermeister-Kandidaten der Stichwahl am 22.03.2026 Stefan Korpan (CSU) und Thomas Kopf (PM) auf die Fragen zu Ihren Plänen im Bereich Natur-, Klima- und Umweltschutz.
1a. Warum sollten Bürger, denen Natur-, Umwelt- und Klimaschutz wichtig ist, Ihre Partei/Wählergruppe wählen?
PM:
Penzberg MITEINANDER betrachtet diese Themen nicht isoliert, sondern als festen Bestandteil einer verantwortungsvollen Stadtentwicklung. Nach unserem Verständnis müssen diese Aspekte von Anfang an in Planungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen werden.
Uns ist wichtig, ökologische Ziele mit sozialen und wirtschaftlichen Belangen in Einklang zu bringen. Nachhaltige Lösungen entstehen aus unserer Sicht nicht durch kurzfristige Symbolpolitik, sondern durch nachvollziehbare Entscheidungen, transparente Abwägungen und einen offenen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie mit fachlich versierten Akteuren vor Ort.
Bei allem finanziellen Druck, der derzeit politische Entscheidungen in Penzberg überschattet, ist und bleibt es stets eine zentrale Motivation von Penzberg MITEINANDER, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sich in unserer Stadt ein bewusster Umgang mit Klimaveränderung etabliert und wo immer möglich konkrete Maßnahmen zur Klimaanpassung ergriffen werden, die sich auch nicht zuletzt auf die Lebensqualität in unserer Stadt auswirken werden – mehr Bäume, mehr „grün“, weniger Versiegelung und Renaturierung von Flächen.
CSU:
Hier gibt es doch einige Dinge aufzuzählen, die in den letzten 6 Jahren umgesetzt wurden und die wir für die Zukunft noch vorhaben.
Hier ein paar Aufzählungen der letzten Jahre, die aber nicht abschließend sind:
- Errichtung der Energiezentrale, für nachhaltige Wärmeversorgung über unser städtisches Fernwärmenetz
- Errichtung mehrere PV Anlagen, u.a. auf Gut Hub oder der Layritzhalle
- Neuaufstellung des Flächennutzungsplans, mit integriertem Landschaftsplan, um die Grenzen für die zukünftige mögliche Bebauung festzulegen und wertvolle Naturflächen zu schützen
- Renaturierung auf Gut Hub begonnen
- Renaturierung Kirnbergmoor und Ringseefilz abgeschlossen
- Mobilitätskonzept beschlossen und fertiggestellt, mit Umsetzung der ersten Maßnahmen
- Nachhaltige Bauweise, u.a. im Kinderhaus Nonnenwald
- Aufforstung des Waldes am Huber Weiher
Weiterhin soll in der Zukunft diese Umweltpolitik fortgesetzt werden, z.B. durch die weiterhin kontinuierliche Renaturierung des Gebietes Gut Hub, die stetige Umsetzung des Mobilitätskonzeptes, der Abschluss des Landschafts- und Flächennutzungsplans, Nachverdichtung vor Flächenfraß oder regionale Strom- und Wärmegewinnung, sowie die Erstellung einer kommunalen Wärmeplanung.
1b. Wie soll der Natur-, Umwelt- und Klimaschutz künftig in der Stadtverwaltung organisatorisch berücksichtigt werden?
PM:
Maßnahmen zum Schutz von Natur, Umwelt und Klima sollten aus unserer Sicht als Pflichtaufgabe der Stadtverwaltung begriffen werden. Nur so können wir der Verantwortung gerecht werden, unseren Lebensraum in angemessener Weise zu erhalten und nachfolgenden Generationen zu überlassen. Daraus ergibt sich auch die Erwartungshaltung, dass alle Ebenen der öffentlichen Verwaltung mit diesen Maßnahmen eng verzahnt werden.
Um dies gewährleisten zu können, muss die dafür notwendige Kompetenz im Rathaus personell verankert werden. Dies zu ermöglichen ist der Wunsch von Penzberg MITEINANDER. Ziel muss es sein, Umwelt- und Klimaschutz nicht als nachgelagerten Prüfpunkt zu behandeln, sondern als festen Bestandteil der fachübergreifenden Abwägung.
CSU:
Die Stelle der Klima- und Umweltschutzbeauftragten wurde neu besetzt. Auch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Partner aus dem Bereich Klima- und Umweltschutz sollen verstärkt werden, z.B mit der EWO oder dem BN.
1c. Zum Fachbeirat für Klimaschutz, Umwelt und Energie: Sollte der Fachbeirat wieder aktiviert werden und wenn ja, wie kann man ihn stärken?
PM:
Ich halte es grundsätzlich für sinnvoll, den Fachbeirat für Klimaschutz, Umwelt und Energie wieder zu aktivieren, sofern er als echtes Beratungs- und Dialoggremium verstanden wird und nicht nur formalen Charakter hat.
Fachbeiräte können einen wichtigen Beitrag leisten, um unterschiedliche Perspektiven frühzeitig in politische Entscheidungsprozesse einzubringen und fachliche Expertise nutzbar zu machen.
Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass der Fachbeirat klar in die kommunalen Abläufe eingebunden wird. Dazu gehört eine frühzeitige Einbindung bei relevanten Vorhaben, transparente Arbeitsweisen sowie eine klare Rückkopplung darüber, wie die eingebrachten Empfehlungen in politische Abwägungen eingeflossen sind.
Eine Stärkung des Fachbeirats sehe ich weniger in einer Ausweitung formaler Zuständigkeiten als vielmehr in Verlässlichkeit, Ernsthaftigkeit und einer offenen Kommunikationskultur zwischen Beirat, Verwaltung und Stadtrat.
CSU:
Der neue Stadtrat soll hierüber beraten und beschließen. Bei einer Aktivierung sollte aber unbedingt ein Entscheidungsrahmen bzw. umsetzbare Ziele festgelegt werden.
2. Stadtklima & Klimaanpassung
2a. Welche Maßnahmen zur Klimaanpassung (Hitzeschutz, Frischluft, Starkregen) vor allem in der Innenstadt beabsichtigen Sie?
PM:
Klimaanpassung ist für mich in erster Linie eine Frage der Gesundheitsvorsorge und der Lebensqualität, insbesondere in dicht bebauten Bereichen wie der Innenstadt. Die von Ihnen genannten Herausforderungen stellen zentrale Handlungsfelder dar.
Konkret bedeutet das, versiegelte Flächen wo immer möglich zu reduzieren, zusätzliche Bepflanzungen und Schattenstrukturen zu schaffen sowie vorhandene Bäume konsequent zu erhalten.
In der Bauleitplanung muss zudem die Frischluftzufuhr und der Erhalt bestehender Frischluftschneisen als wesentlicher Bestandteil der Städteplanung begriffen werden. Gerade da es bei der Weiterentwicklung der Innenstadt oftmals um Nachverdichtung geht, darf dieser Aspekt nicht vernachlässigt werden.
Intelligente Lösungen bieten hier gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zum Biotobverbund.
Für Starkregenereignisse sind bereits Regenrückhaltebereiche vorgesehen.
Diesbezüglich ist es wichtig, dass die Erhaltung dieser Areale nicht dem Platzbedarf städtebaulicher Projekte zum Opfer fallen, da sie - insbesondere aufgrund der Bodenbeschaffenheit in unserer Stadt - einen fundamentalen Baustein des Hochwasserschutzes darstellen.
CSU:
Das Hochwasserschutzkonzept gilt es die nächsten Jahre in die Umsetzung zu bringen.
Die Stadt Penzberg ist Teil des „LaPla“ (kurz für Landschaftsplanung) im Fokus einer innovativen, kommunalen Neuentwicklung. Ziel ist es Blaugrüne Adern durch die Stadt zu schaffen. Unter dem Titel Biotope vernetzen – Natur begreifen – Synergien schaffen erarbeitet Penzberg neue Ansätze, um Landschaftsplanung mit Stadtentwicklung, Klimaanpassung und Biotopvernetzung zu verbinden.
2b Mit zunehmender Klimaerhitzung werden Frischluftschneisen aus der Landschaft in die Wohngebiete für Gesundheit und Wohlbefinden der Bewohner immer wichtiger. Mit welchen Maßnahmen werden Sie die Frischluftzufuhr in die Wohngebiete gewährleisten?
PM:
Mit zunehmender Verdichtung und Hitzeentwicklung in den Städten gewinnen Frischluftentstehungsgebiete und Frischluftschneisen aus dem Umland für Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung deutlich an Bedeutung. Aus meiner Sicht müssen diese Faktoren als wesentliche Grundlage einer vorausschauenden zukunftsorientierten Stadtplanung verstanden werden.
Entsprechende Bereiche müssen daher frühzeitig identifiziert und bei den Planungen zur Stadtentwicklung berücksichtigt werden. Nur so ist es möglich, sie von einer Bebauung freizuhalten und ihre Funktion dauerhaft zu sichern. Ziel muss es sein, städtebauliche Entwicklungen so zu gestalten, dass sie auch unter veränderten klimatischen Bedingungen zu einer hohen Lebensqualität beitragen.
CSU:
In die Wohngebiete für Gesundheit und Wohlbefinden der Bewohner immer
wichtiger. Mit welchen Maßnahmen werden Sie die Frischluftzufuhr in die
Wohngebiete gewährleisten (z.B. von Bebauung freihalten)?
Vorhandene Frischluftschneisen, die sogenannten blaugrünen Adern (Grünflächen und Wasserwege) sollten bestmöglich erhalten bleiben und im Idealfall noch aufgewertet werden
2c. Welche Pläne für eine "grünere" Gestaltung der Innenstadt verfolgen Sie?
PM:
Diese Frage ist eng mit den Themen Aufenthaltsqualität, Klimaanpassung und einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung verbunden. Gleichzeitig muss sie vor dem Hintergrund der angespannten finanziellen Situation der Stadt verantwortungsvoll und realistisch umgesetzt werden.
Begrünung und Entsiegelung sind aus meiner Sicht nicht nur ökologische Maßnahmen, sondern auch Investitionen in den Werterhalt öffentlicher Räume und in die Vermeidung künftiger Folgekosten, etwa durch Hitze, Starkregen oder zunehmender Belastungen der Infrastruktur.
Ziel ist eine Innenstadt, die schrittweise grüner, widerstandsfähiger und lebenswerter wird – ohne die finanziellen Handlungsspielräume der Stadt zu überfordern. Insofern halte ich es für sinnvoll, Maßnahmen zur Begrünung bevorzugt im Zuge ohnehin anstehender Sanierungen und Umgestaltungen umzusetzen.
Ganz allgemein ist es dringend geboten für die Innenstadt ein verbindliches Leitbild zu entwickeln, das diese Aspekte bei neuen Projekten bereits von Beginn an mit einfordert. Wir dürfen uns als Stadt nicht scheuen, Gesicht zu zeigen. Wer wir sind und was wir für Penzberg als Lebensraum wollen, sollte auf breiter Basis und mit Bürgerbeteiligung entwickelt werden. Diese Erwartungen können dann auch bei Verhandlungen auf Augenhöhe mit Investoren kommuniziert werden.
Wer Baurecht erwartet, muss sich auch im Klaren darüber sein, dass damit auch Pflichten und Verantwortung verbunden sind. Für die Infrastruktur, für einen sozialen Beitrag aber eben auch für die ökologisch sinnvolle Entwicklung unserer Stadt.
CSU:
Städtisches Bestandsgrün soll erhalten bleiben und bei Ersatzpflanzungen von Bäumen sollen geeignete „Stadtbäume“ gepflanzt werden.
Bei Neubauten sind, wenn möglich, begrünende Bereiche und Retentionsflächen zu schaffen.
3. Artenschutz & Biodiversität
3a. Welchen Stellenwert hat für Sie der Schutz von Mooren und Wäldern im Stadtgebiet Penzberg und wie werden Sie sich für deren Erhalt einsetzen?
PM:
Der Schutz von Mooren und Wäldern im Stadtgebiet Penzberg hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Diese Flächen sind nicht nur wertvolle Lebensräume für viele Arten, sondern übernehmen zugleich zentrale Funktionen für Klimaschutz, Wasserhaushalt und Erholung. Gerade in einer Stadt, die von Moor- und Waldlandschaften umgeben ist, tragen sie wesentlich zur Identität und Lebensqualität bei.
Deshalb müssen diese Flächen langfristig erhalten und vor Eingriffen geschützt werden. Darüber hinaus bieten insbesondere Moorflächen Chancen für eine aktive Klimaanpassung, etwa durch Wiedervernässung. Solche Maßnahmen können nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Wirkung mit langfristigem Nutzen für die Stadt entfalten.
CSU:
Wie bereits unter 1a beschrieben soll die Renaturierung von Gut Hub, welche Feuchtwiesen, Aufforstungen und Biotopvernetzungen beinhaltet, fortgesetzt werden
3b. Wie gewährleisten Sie eine Verbindung der Wald- und Grünflächen sowie der Stadtbäche, um die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern (Stichwort: Biotopverbund)?
PM:
Der Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt erfordern aus meiner Sicht einen ganzheitlichen Blick auf das Stadtgebiet. Einzelne Schutzflächen entfalten ihre volle Wirkung erst dann, wenn sie miteinander vernetzt sind und als zusammenhängende Lebensräume funktionieren.
Grundlage dafür ist, bestehende Wald-, Grün- und Gewässerstrukturen zu sichern und bei Planungen so weiterzuentwickeln, dass Verbindungen zwischen ihnen erhalten oder neu geschaffen werden. Dies betrifft insbesondere Grünzüge, Gewässerrandstreifen sowie Übergangsbereiche zwischen Siedlungsraum und Landschaft.
Der Biotopverbund muss daher als fester Bestandteil der Stadtentwicklungs- und Bauleitplanung berücksichtigt werden. Ziel ist es, städtebauliche Maßnahmen so zu gestalten, dass sie die Durchlässigkeit für Tiere und Pflanzen verbessern und die ökologische Qualität des Stadtgebiets langfristig stärken.
CSU:
Wie unter 2a beschrieben, ist der „LaPla“ die Grundvorraussetzung für eine nachhaltige Aufwertung unserer Blaugrünen Adern. Dies sollte unser Leitfaden sein. Auch gibt es bereits gute Gespräche mit der Heinz Sielmann Stiftung über mögliche Umsetzungen Biotopverbindungen im Stadtgebiet aufzuwerten.
3c. Penzberg hat eine Kommunale Biodiversitätsstrategie. Welche vorrangigen Maßnahmen daraus werden Sie zum Schutz und zur Förderung der biologischen Vielfalt in Penzberg ergreifen und unterstützen?
PM:
Gerade vor dem Hintergrund der angespannten finanziellen Situation der Stadt halte ich die in der Biodiversitätsstrategie vorgesehene naturverträgliche Ausrichtung der kommunalen Grünpflege für einen besonders sinnvollen Ansatz.
Durch eine stärkere Extensivierung, reduzierte Schnitthäufigkeiten und angepasste Pflegezeitpunkte lässt sich mit vergleichsweise geringem zusätzlichen Mitteleinsatz eine hohe ökologische Wirkung erzielen.
Zwar erfordert die Umstellung der Pflegekonzepte zunächst eine sorgfältige Planung und Organisation, langfristig können jedoch Pflegeaufwand und laufende Kosten reduziert werden. In diesem Sinne ist die biodiversitätsorientierte Grünpflege nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ein verantwortungsvoller Umgang mit den finanziellen Ressourcen der Stadt.
CSU:
Wie oben erwähnt wurden viele Projekte bereits umgesetzt und begonnen. Das Gebiet um Gut Hub ist hier ein Musterbeispiel und soll weiter gefördert werden.
Aber auch der Penzberger Stadtwald soll weiterhin durch angepasste Waldentwicklung ökologisch aufgewertet und nach dem Forstwirtschaftsplan bewirtschaftet werden.
Eine weitere kontinuierliche umzusetzende Maßnahme ist auch, häufig gemähte Rasenflächen, soweit möglich, in Pflanzenarten reiche Wiesenfläche umzuwandeln.
3d. Bäume sind wichtig für eine lebenswerte Stadt. Dennoch gehen in Penzberg ständig wertvolle Bäume verloren. Werden Sie sich für eine Baumschutzverordnung in Penzberg einsetzen?
PM:
Bäume leisten einen unverzichtbaren Beitrag für Stadtklima, Biodiversität und Aufenthaltsqualität. Ihr Erhalt ist daher für eine lebenswerte Stadt von großer Bedeutung. Gleichzeitig entstehen Nutzungskonflikte, etwa im Zuge von Bauvorhaben, Sanierungen oder notwendigen Infrastrukturmaßnahmen, die sachlich und transparent abgewogen werden müssen.
Eine Baumschutzverordnung kann ein geeignetes Instrument sein, um besonders schützenswerte Bäume besser zu sichern. Entscheidend ist aus meiner Sicht jedoch weniger das Instrument an sich als dessen Ausgestaltung und praktische Umsetzung. Eine pauschale Regelung darf weder notwendige Entwicklungen blockieren noch zu einem unverhältnismäßigen Verwaltungsaufwand führen.
Wichtig ist mir, dass der Schutz von Bäumen verbindlich, nachvollziehbar und fair geregelt wird. Dazu gehören klare Kriterien, transparente Entscheidungsprozesse sowie eine konsequente Nachpflanzung dort, wo Eingriffe unvermeidbar sind.
Vermeidbaren Rodungen muss in jedem Fall entgegengewirkt werden, denn es dauert letztendlich Jahre und Jahrzehnte, bis der verlorene ökologische Nutzen durch Nachpflanzung kompensiert wird. Ob eine Baumschutzverordnung hierfür das geeignete Mittel ist oder bestehende Regelwerke weiterentwickelt werden sollten, muss sorgfältig geprüft und offen diskutiert werden. Über eine praktikable Lösung würde ich mich persönlich sicherlich sehr freuen.
CSU:
Aktuell ist die Wiedereinführung der 2015 aufgehobenen Baumschutzverordnung nicht geplant.
Damals wurden regelmäßig Ausnahmen der Verordnung beschlossen, was diese obsolet sein lässt. Über das Baurecht und das Bundesnaturschutzgesetz können jedoch viele Regelungen getroffen werden.
4. Infrastruktur: Mobilität & Energie
4a. Welche Ziele im Bereich Mobilität priorisieren Sie und mit welchen Maßnahmen aus dem Mobilitätskonzept wollen Sie diese erreichen?
PM:
Die Mobilität in Penzberg soll sich an dem im Mobilitätskonzept formulierten Leitbild orientieren und zugleich an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Der Beitritt Penzbergs zum Münchner Verkehrsverbund seit Ende 2024 eröffnet neue Möglichkeiten für eine bessere regionale Anbindung und macht es umso wichtiger, die Wege innerhalb der Stadt gut, sicher und alltagstauglich zu gestalten.
Aus meiner Sicht sollten insbesondere der Fuß- und der Radverkehr als konkrete Handlungsfelder priorisiert werden. Das Mobilitätskonzept zeigt hier einen klaren Handlungsbedarf, etwa durch unübersichtliche Führungen, fehlende Kontinuität im Radverkehrsnetz und bekannte Unfallschwerpunkte. Verbesserungen in diesen Bereichen erhöhen die Verkehrssicherheit, stärken die Aufenthaltsqualität und kommen einem großen Teil der Bevölkerung unmittelbar zugute.
Ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer Mobilitätsstrategie ist die Reduzierung der Geschwindigkeit im Innerstädtischen Verkehr auf Tempo 30, wo dies gesetzlich möglich ist, oder sogar dem Gesetz nach die Regel sein sollte. Die positiven Effekte solcher Maßnahmen sind unserer Einschätzung nach schlüssig und kaum zu widerlegen.
Vor dem Hintergrund begrenzter Haushaltsmittel halte ich es für notwendig, statt großer Einzelprojekte die Maßnahmen bevorzugt umzusetzen, die mit vergleichsweise geringem Mitteleinsatz eine hohe Wirkung entfalten.
Insbesondere in Bezug auf Sicherheit, Alltagstauglichkeit und die Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr. Ziel ist eine Mobilitätsentwicklung, die schrittweise vorangeht, den Umweltverbund stärkt und den Menschen in Penzberg spürbare Verbesserungen im Alltag bringt.
CSU:
Die Verkehrsentlastung und die Stärkung den „schwächeren Verkehrsteilnehmer“ ist zu priorisieren. Mit den am schnellsten und einfachsten umzusetzenden Maßnahmen sollte begonnen werden um erste Ergebnisse zu erwirken und aufwändigere Projekte zu planen.
4b. Was planen Sie, um die erneuerbaren Energien zu fördern?
PM:
Die Förderung erneuerbarer Energien ist für mich ein zentraler Bestandteil einer zukunftsfähigen und verantwortungsvollen Stadtentwicklung. Dabei geht es weniger um kurzfristige Einzelmaßnahmen als um einen klaren, nachvollziehbaren Rahmen, der langfristig Wirkung entfaltet und zur finanziellen Stabilität der Stadt beiträgt.
Ein wichtiger Ansatz ist, dass die Stadt bei eigenen Projekten, Gebäuden und Verbrauchsstellen mit gutem Beispiel vorangeht. Erneuerbare Energien sollten dort, wo es technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, konsequent mitgedacht und umgesetzt werden, insbesondere im Zusammenhang mit ohnehin anstehenden Sanierungen oder Investitionen.
Darüber hinaus kann die Stadt über klare Rahmenbedingungen und Auflagen bei privaten Bau- und Investitionsprojekten dazu beitragen, dass erneuerbare Energien frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Verlässliche und transparente Vorgaben schaffen dabei Planungssicherheit und helfen, Einzelfallentscheidungen zu vermeiden.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist Information und Beratung. Viele Bürgerinnen und Bürger sind grundsätzlich offen für erneuerbare Energien, benötigen aber Orientierung, um Möglichkeiten, Wirtschaftlichkeit und Förderprogramme einschätzen zu können. Oftmals ist der erste Schritt für den Einzelnen ja gar nicht so groß, einen Beitrag zu leisten, etwa in Form einer Balkon-PV-Anlage. Hier sehe ich Potenzial, bestehende Strukturen gezielt weiterzuentwickeln.
In diesem Zusammenhang halte ich es für sinnvoll, gemeinsam mit der bestehenden und in Penzberg ansässigen Bürgerstiftung für erneuerbare Energien und Energieeinsparung (EWO) enger zusammenzuarbeiten, um die Vernetzung regionaler Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien zu stärken. Dadurch sollte es möglich sein, Wissen zu bündeln, neutrale Erstinformationen anzubieten und den Austausch zwischen Bürgerschaft, Wirtschaft und Kommune zu fördern, ohne neue kostenintensive Strukturen zu schaffen.
Ziel ist ein kontinuierlicher, nachvollziehbarer Ausbau erneuerbarer Energien, der Akzeptanz schafft, lokale Kompetenz stärkt und die Stadt Schritt für Schritt unabhängiger von steigenden Energiepreisen macht. Zudem sollte es uns als Stadt ein Anliegen sein, den Wirtschaftssektor zu stärken, der insbesondere in der ökologischen Energiewirtschaft für eine zukunftsgerechte Entwicklung steht.
CSU:
Die kommunale Wärmeplanung wird aktuell ausgeschrieben, mit dem Ziel Potenziale erneuerbarer Energien und Abwärmen zu identifizieren und Wärmeversorgungsgebiete zu entwickeln.
Bürger und Unternehmen werden durch Informationsveranstaltungen und Stellungnahmen in den Prozess einbezogen, um erneuerbare Energien bestmöglich in der Fläche zu fördern.
5. Stadtentwicklung & Wachstum
5a. Wie stehen Sie zu einem weiteren Wachstum Penzbergs - mit den Auswirkungen auf Verkehr, Kitas/ Schulen, Wohnungsbau, Versiegelung von Boden, Rodung von Waldflächen - und wo sehen Sie die Grenzen dieses Wachstums?
PM:
Ein weiteres Wachstum Penzbergs muss aus meiner Sicht verantwortungsvoll und vorausschauend gesteuert werden, gerade weil mit den derzeit laufenden Projekten die Weichen schon auf Wachstum gestellt wurden und die daraus resultierenden Herausforderungen erst noch bewältigt werden müssen.
Dabei gehören ökologische Verantwortung, die Leistungsfähigkeit der städtischen Infrastruktur und die finanzielle Tragfähigkeit untrennbar zusammen.
Wachstum ist kein Selbstzweck, sondern muss sich daran messen lassen, ob Natur und Landschaft geschont, die notwendige Infrastruktur – insbesondere Kitas, Schulen, Verkehr und soziale Einrichtungen – dauerhaft mitwachsen kann und die Stadt finanziell handlungsfähig bleibt.
Grundsätzlich halte ich es für wichtig, vorhandene Potenziale im Stadtgebiet vorrangig zu nutzen, bevor neue Flächen in Anspruch genommen werden.
Innenentwicklung, Nachverdichtung und die sinnvolle Nutzung bestehender Strukturen sollten daher Vorrang vor einer weiteren Ausdehnung in den Außenbereich haben. So lassen sich zusätzliche Versiegelung, Eingriffe in Natur und Landschaft sowie die Rodung von Waldflächen begrenzen.
Grenzen des Wachstums sehe ich dort, wo ökologische Belastungen zunehmen, die Infrastruktur überfordert wird oder erhebliche finanzielle Risiken für die Stadt entstehen. Neue Baugebiete dürfen nur im Rahmen des Flächennutzungsplans, und auch nur dann entwickelt werden, wenn Verkehrsanbindung, Kinderbetreuung, Schulen und soziale Infrastruktur von Anfang an mitgedacht und verlässlich gesichert sind.
Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage ist es mir besonders wichtig, Entwicklungsschritte realistisch zu priorisieren und zeitlich zu strecken.
Eine nachhaltige Stadtentwicklung bedeutet für mich, Qualität vor Geschwindigkeit zu stellen und Entscheidungen transparent zu erklären, damit sie von einer breiten Mehrheit mitgetragen werden können.
CSU:
Die Grenzen des Wachstums legt ganz klar der neue Flächennutzungsplans fest. Wobei jetzt schon gilt, Nachverdichtung vor Flächenfraß. Auch eine Entwicklung von Innen (Stadtmitte) nach außen ist das Ziel. Dadurch wird Versiegelung vermieden, Individualverkehr reduziert und Waldflächen erhalten.
Die Stadt Penzberg ist, per Definition des Regionalplans, ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Arbeiten, einkaufen, Ärzte, Schulen oder Gewerbe finden hier statt, weshalb generell ein Wachstum vorgesehen bzw. möglich ist und nicht auf den ländlich geprägten Dörfern. Aber mit den bereits geplanten und in Planung befindlichen Projekten ist.